Vom Banker zum Burgerkönig – Wie Christian Kuper Vincent Vegan erfand und warum gutes Essen in Shopping-Centern immer wichtiger wird

Statt Schlips und Kragen trägt der Gründer des erfolgreichen Food-Konzepts Vincent Vegan bunte Sneakers, Gürteltasche und Retro-Brille. Der gelernte Banker schmiss von heute auf morgen seinen Job als Unternehmensberater und machte sich auf die Suche nach seinem eigenen Ding. 2013 steht der Businessplan und 2014 rollt der erste Foodtruck auf Hamburgs Straßen. Heute sitzen wir im Pausenraum des Food Sky in der Europa Passage, wo Vincent Vegan vergangenen Herbst ein Fast-Food-Restaurant eröffnet hat. Wir sprechen über Glück und Gegenwind, Iowa und Berlin und weshalb Shopping-Center ohne gutes Essen kaum mehr überleben können.

Christian Kuper (l.) und sein Geschäftsführerpartner und guter Freund Topias Rohde sind mit Vincent Vegan auf Expansionskurs.

Wie kamst Du auf die Idee vegane Burger auf der Straße zu verkaufen?

Ich wusste schon immer, dass ich mein eigenes Ding machen will. In meinem Job als IT-Berater war ich an einem Punkt, an dem sich etwas ändern musste. Der Klassiker: Ich bekam stetig mehr Verantwortung und mehr Geld, der Druck wurde spürbar größer. Ich war nicht mehr glücklich und irgendwann auch gesundheitlich angeschlagen. Ich wollte etwas machen, wo mein Herz dran hängt. Also habe ich gekündigt und eine Auszeit genommen. Ich liebe Tiere und lebte damals vegetarisch. Die Idee mit den Trucks kannte ich aus den USA. Der Hype war bei uns noch nicht angekommen. Ich mochte den roughen Streetfood-Style, das Unmittelbare daran. Man ist direkt am Gast und hat nicht die Hürde, erst eine Tür zu öffnen und Platz zu nehmen, so wie bei einem Restaurant. Das war die Idee hinter dem ersten Foodtruck.

Was macht ihr anders?

Ich glaube, was den Leuten gefällt ist, dass wir authentisch sind. Wenn ich offen und ehrlich bin, mache ich mich nicht angreifbar. Das Marketing der Zukunft ist für mich Transparenz. Außerdem arbeiten bei uns coole Typen. Topi, so heißt der zweite wichtige Mann hinter Vincent Vegan, stand damals mit seinem Rennrad vor dem Truck und hatte gerade die Nachtgastronomie an den Nagel gehängt. Er fing als Mitarbeiter an und wir wurden schnell dicke Freunde. Heute sind wir Geschäftspartner. Was uns noch besonders macht ist unser internationaler Charme. Alle Mitarbeiter im Shop sprechen Englisch und sie selbst oder ein Elternteil kommt großteils aus dem Ausland. Ich bin die deutsche Ausnahme. Neulich hat sich eine Gruppe von 8 siebzehnjährigen Teenies aus Iowa zu uns ins Office verirrt und das Restaurant gesucht. Die vegane Szene ist hierzulande immer noch recht klein. Gäste schauen vor ihrem Besuch gezielt nach, wo sie uns finden. Für manche sind wir so etwas wie die fleischlosen ‚Burger Kings‘.

Ob Burger, Curry Wurst oder Nuggets – bei Vincent Vegan sind alle Gerichte aus 100 Prozent pflanzlichen Zutaten.

Wie kam es zur Eröffnung des Restaurants im Food Sky der Europa Passage?

Wir waren an einem Wendepunkt angekommen und wussten nicht genau, wo die Reise mit den Trucks uns hinführt. Expandieren ja, aber anders. So ein Foodtruck ist hoch komplex und auch wenn wir gute Umsätze eingefahren haben, war es oft kurz vor knapp. Durch einen Stand beim Streetfood-Wochenende kam der Kontakt mit der Passage zustande. Später ergab sich die Möglichkeit, eine freie Fläche zu beziehen. Einfach war das nicht. Die Banken sind extrem skeptisch was Gastronomie und erst recht Veganes angeht – die stellten sich quer. Wir haben uns schließlich mit dem Center-Management geeinigt, die uns gern an Bord haben wollten. Seit Tag eins läuft es hier super. Zwischen 250 und 300 Portionen gehen täglich über die Theke – für einen kleinen Laden ist das schon richtig gut.

Was zieht Euch von der Straße in die Shopping-Center?

Es verändert sich extrem viel auf den Food-Courts der Center. Kaufhäuser, Bahnhöfe und Flughäfen sind Orte, wo dringend neue Konzepte in der Gastronomie gebraucht werden. Sie locken die Kunden, mehr Zeit an diesen Plätzen zu verbringen. Man kann in gemütlichen Sesseln chillen, sein Handy aufladen, hat Wi-Fi und genießt gutes Essen auf kurzen Wegen. Die Rolle des Essensangebots in Shopping-Centern ist durch die Digitalisierung noch wichtiger geworden. Der stationäre Handel kann nur überleben, wenn potenzielle Käufer durch solche Benefits motiviert werden, weiterhin analog einzukaufen. Einen Truck haben wir inzwischen abgegeben, um uns mehr auf das immobile Geschäft zu konzentrieren. Wir glauben, hier ist ein Wachstums-Boost möglich. Soeben haben wir hier in Hamburg im Mercado einen zweiten Laden eröffnet, demnächst geht es in Berlin-Friedrichshain weiter. Dort zieht Vincent Vegan in die East Side Mall ein, die gerade noch gebaut wird.

Im September 2017 hat Vincent Vegan seinen ersten immobilen Laden im Food Sky der Europa Passage eröffnet.

Wie bleibst Du bei all dem Erfolg auf dem Teppich?

Ich mache fünf- bis sechsmal in der Woche Yoga. Oder ich meditiere. Mit einer kleinen Tochter on top ist gerade immer und überall richtig was los. Für mich gibt es dennoch keinen Grund, nicht auf dem Boden zu bleiben. Ich habe mich durch den Erfolg nicht besonders verändert. Sicher, beruflich und persönlich habe ich mich weiterentwickelt. Dabei bleibe ich ein demütiger Mensch und automatisch auf dem Teppich.

Was möchtest Du anderen jungen Unternehmern in einer ähnlichen Situation mit auf den Weg geben?

Es fällt Vielen schwer, den Mut aufzubringen, ihre Ideen umzusetzen. In einem System wie unserem braucht es mehr coole Konzepte und Visionen sollten lebendig werden. Ich würde einigen Leuten gern ihre Hemmungen nehmen und sie motivieren, etwas Eigenes zu realisieren. Auch bei Vincent Vegan gab es anfangs heftigen Gegenwind. Sogar meine Familie hat mich fast für verrückt erklärt. Man braucht ein wahnsinnig gutes Durchhaltevermögen und ohne den Support von Freunden und Familie wäre heute nichts, wie es ist. Am Ende geht es mir darum, dass ich glücklich bin und voll hinter dem stehe, was ich mache. Den alltäglichen Struggle nehme ich für dieses geile Gefühl gerne in Kauf.

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